A Masterly Hand / Scientia Artis 9

möglicherweise der ursprünglichen Aufstellung des Bogens zusammen­ häng en. 19 O b die Schauseite vom Chorgestühl oder vom Kirchenschiff aus sichtbar war, bleibt nur zu vermu ten. 20 D ie Funktion als eine Art Lettner darf jedoch durchaus vorausgesetzt werden. Doch gehen wir abschließend etwas genauer auf die Herstellungstechnik ­ dieses bedeutenden Werkes der ausgehenden Gotik ein. 21 D ie beiden Bogen- segmente sind aus ein und demselben Stamm gefertigt, möglicherweise wurde zunächst eine mächtige Bohle aus einem Stamm mit leicht geneigtem Wuchs, dem Verlauf des späteren Bogens entsprechend, zugerichtet. Diese Bohle scheint dann mittig aufgetrennt und halbiert worden zu sein, worauf der Verlauf der Jahrringe im Hirnholzanschnitt schließen lässt. Für die Konsolen sind Stammabschnitte mit annähernd mittigem Kern gewählt worden, die Qualität der Holzauswahl ist, in Analogie zu den Skulpturen, recht dürf tig. 22 Die schnitzerische Ausarbeitung geschah weitgehend mit Ball- und Hoh­l­ eisen, nachgewiesen wurden Hohleisenbreiten von 35, 17 und 6 mm sowie ein Balleisen von 16 mm Breite. Zudem sind kleinteilige Details und Strukturen mit dem Schnitzmesser ausgeführt. Im Hinblick auf den Vergleich zu den Einzelskulpturen ist vor allem auch hier die Verwendung von Bohrern zur Ausnehmung entsprechender Tiefen, aber auch zur gezielten Gestaltung – so am Gürtel eines Schwertkämpfers – relevant. Auch konnten Spuren eines Abb. 12.10 Zeichnung von Heinrich Renard, Köln, 1899, Brauweiler, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland Abb. 12.11 Chorgestühlwangen, Siersdorf, St. Johannes-Kirche 12.10 12.11

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI3OTg=