A Masterly Hand / Scientia Artis 9
243 Marc Peez 12 242 Bohrers mit Zentrierspitze nachgewiesen werd en. 23 D er durchbrochen geschnitzte Bogen und auch die mit starken Hinterschneidungen ausgeführten, blattkapitellartigen Konsolen bezeugen eine ausgereifte und virtuose Schnitz- technik, die der Ausführung der Figuren in nichts nachsteht. Hinzuweisen ist auf die charakteristischen Blattenden der Ranken der Bogensegmente, die in zwei kugelförmigen Enden auslaufen. Diese finden sich in gleicher Form in den durchbrochen geschnitzten Zierfeldern der Chorgestühlwangen. Folglich muss es als gesichert gelten, dass, wenn auch nicht das ganze Chor gestühl, so doch zumindest diese Felder von derselben Bildhauerwerkstatt wie die Figuren und der Bogen geschaffen wurden. Während die Einzelfiguren ursprünglich wahrscheinlich farbig gefasst waren, muss dies beim Lettnerbogen offen bleiben. Trotz intensiver Untersu- chungen zur Klärung dieser wichtigen Frage, konnten keine eindeutigen Belege für oder gegen eine Polychromie gefunden werd en. 24 V erunklärt wird die Befundlage vor allem durch die durchgreifende Ablaugung durch Ferdinand Langenberg. Aber auch als Vorbereitung für die Fassung von Richard Moest könnte eine solche bereits ausgeführt worden sein. Somit sind Reste der ursprünglichen Farbgebung oder möglicher transparenter Überzüge äußerst unwahrscheinlich. Im Zusammenspiel mit dem Chorgestühl ist durchaus auch lediglich eine farbliche Fassung von Teilbereichen grundsätzlich in Erwägung zu ziehen. Ob es sich bei der im Lettnerbogen dargestellten Stifterfigur zwischen der Madonna und der tiburtinischen Sibylle um den Komtur Franz von Reuschenberg, Leiter der Kommende Siersdorf von 1524-1547, handelt, oder doch eher um dessen Vorgänger Konrad von Reuschenberg, Komtur zwischen 1491 und 1522, müsste unter historischen und kunsthistorischen Gesichts punkten eingehender diskutiert wer den. 25 In jedem Fall zeigt das Chorgestühl neben dem Wappen des Deutschen Ordens auch das Familienwappen der Reuschenbergs. Die spätgotische Ausstattung der Siersdorfer Kirche dürfte jedoch allerspätestens 1535 fertig gestellt gewesen sein, da zu dieser Zeit mit der durch eine Inschrift datierten Kanzel die Renaissance Einzug in die Kirchenausstattung hielt.
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