A Masterly Hand / Scientia Artis 9

241 Marc Peez 12 240 eine ursprünglich holzsichtige Präsentation der Stücke kann dieses jedoch nicht gelten. Zum Einen kommen schnitzerische sowie farbliche Akzentuie- rungen der Iriden bekanntermaßen auch bei ursprünglich gefassten Stücken vor, zum Anderen spricht die hier vorliegende, mäßige Holzqualität doch eher für den Auftrag einer polychromen Fassu ng. 14 R este der ursprünglichen ­ Fassungen ließen sich schon bei der Restaurierung der 1960er Jahre nicht mehr feststellen, was seinerzeit Anlass zur Vermutung einer ursprünglichen Holz- sichtigkeit gab. 15 Betrachten wir in der Folge kurz die werktechnischen Befunde am Lettner­ bogen, dessen Skulpturen bereits hinsichtlich der Einspannspuren Erwähnung fanden und aus kunsttechnologischer Sicht auch ansonsten den acht Einzel­ figuren weitgehend entsprechen. Der Eichenholzbogen, dessen dendrochronologische Datierung bislang nicht gelang, dürfte annähernd zeitgleich mit den Einzelfiguren, somit um 1520, entstanden s ein. 16 H eute präsentiert er sich holzsichtig, anders als bei den Figuren geht dieser Zustand jedoch schon auf eine Maßnahme durch Ferdinand Langenberg von 1901 zurück. Die seinerzeit abgenommene ­ Farbfassung, die schon 1884 fotografisch belegt ist, 17 w urde sicher analog zu den Figuren um 1882 von Richard Moest aus Köln aufgebracht. Der annähernd sechs Meter hohe Bogen besteht aus mehreren Einzel­ segment en. 18 D ie zwei durchbrochen geschnitzten, kielbogenartigen Ranken sind oben mittig in ein Verbindungselement zur Konsole der Strahlenkranz- madonna eingezapft, unten analog jeweils seitlich in die zum Boden führen- den, aufwendig geschmückten Standsäulen. Letztere ruhen heute auf jüngeren Sockeln. Die spätmittelalterlichen Säulen enden in separat gearbeiteten Kon- solen, auf denen die beiden Figuren der Sibylle von Tibur und des Kaisers Augustus stehen. Am eigentlichen Bogen wie auch an den Säulen und Figuren finden wir heute zahlreiche bildhauerische Ergänzungen, die in der Regel durch ­ Ferdinand Langenberg ausgeführt sein dürften. Der Bogen wurde bereits häufig demontiert und auf mehreren Ausstellungen gezeigt, weshalb die ursprünglichen Montagen selbstverständlich nicht mehr existieren. Die entstehungszeitliche Position und Funktion des Bogens ist nicht mehr eindeutig zu rekonstruieren. Als sicher kann jedoch gelten, dass dieser nicht frei im Raum stand, sondern seitlich bis zu den Chorgestühl­ wangen fortgeführt wurde. Schon Heinrich Renard (1868-1928) beschäftigte diese Frage, als er 1899 eine zeichnerische Rekonstruktion dieser Bereiche vor- schlug, die jedoch nicht zur Ausführung kam (Abb. 12.10). Anhand der bloßen Form der in Frage kommenden Anschlussstellen der Chorgestühlwangen selbst lassen sich weder Form noch genauer Verlauf der ursprünglichen Verbindungselemente ermitteln (Abb. 12.11). Weiterhin erschwert auch die mehrfache Veränderung und Umstellung der beiden Chorgestühle selbst die Ermittlung der ursprünglichen Aufstellung des Bogens. Sehr gut möglich ist die ehemalige Positionierung auf einer in Blaustein ausgeführten Stufe direkt am Übergang von Vierung zu Chorraum. Dort haben sich bis heute zwei nun mit Blei ausgegossene Löcher erhalten, die sicher mit einer früheren,

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