A Masterly Hand / Scientia Artis 9

Die Interpretation der feinplastischen Ausarbeitung ist durch die teils doch erheblich angegriffene Oberfläche nur noch bedingt möglich. Hier sei vor allem auf die Restaurierung der Figuren durch Richard Moest von 1882 hingewiesen, bei der die Figuren neu gefasst und zuvor sicher auch abgelaugt wurd en. 12 D ennoch ist ersichtlich, dass die Ausarbeitung routiniert und gekonnt, aber doch recht summarisch und sicher sehr zügig erfolgte. Am deutlichsten wird dies bei den charakteristischen, runden Lockenenden der männlichen Heiligen und dem Fell der Lämmer der Hl. Agnes und des Johannes des Täufers, deren Vertiefungen eindeutig mit einem Bohrer ­ vorgearbeitet sind. Auch gibt uns die Betrachtung der Haare Marias, wo zunächst eine einfache Aufteilung in die Hauptstränge erfolgte, bevor diese kleinteilig durchgebildet wurden, einen guten Einblick in den bildhaue­ rischen Arbeitsprozess. Besonderes Augenmerk wurde auf die kleinteilige Ausarbeitung der zieren- den Bereiche wie Borten, Kopfbedeckungen und Haarschmuck gelegt. Hervorzuheben ist weiterhin die sehr detailreich ausgeführte Rüstung des Hl. Georg. Während die allermeisten kleinteiligen Elemente aus dem Block selbst geschnitzt sind, finden wir bei der Figur des Hl. Georg auch einige wenige vorgefertigte und applizierte Details, so die Schrauben der Rüstung auf seiner Brust. Die Plinthen sind im Wesentlichen in der gängigen Art ­ tremoliert, unterscheiden sich jedoch durchaus leicht voneinander. Dass dies nicht unbedingt als Hinweis auf die Ausführung durch unterschiedliche Bild­schnitzer gewertet werden kann, wurde erst kürzlich an den beiden ­ Figuren der Hll. Agnes und Katharina in der Aldegundiskirche in Emmerich nach­gewie sen. 13 Leider lässt die verunklärte Oberfläche nur sehr bedingt eindeutige Aus­ sagen zu den verwendeten Schnitzwerkzeugen zu. Hervorzuheben ist der ­ Einsatz des bereits erwähnten Bohrers zur zügigen Herausarbeitung von Vertiefungen, weiterhin finden wir die üblichen Werkzeuge wie Ball-, Flach- und Hohleisen sowie Schnitzmesser. Ob die Kerbungen der Haare und Borten mit einem Gaißfuß ausgeführt sind, lässt sich nicht zweifelsfrei belegen. Hingegen sind die kleinen Löcher zur Vorstellung von Fell im Bereich einiger Gewandelemente sicher mit einer kleinen Metallpunze eingeschlagen. Äußerst charakteristisch für zahlreiche dem sogenannten Meister von ­ Elsloo zugeschriebenen Werke sind die punktförmigen Vertiefungen zur Angabe kleiner Grübchen seitlich der Münder und am Kinn der jeweiligen Figuren. In Siersdorf finden sich diese besonders ausgeprägt bei der Maria und der Hl. Agnes, auch an den Ellbogen des Christuskindes zeigt sich ent­ sprechendes (Abb. 12.8). Erwähnenswert und im Hinblick auf Vergleiche zu weiteren Stücken relevant sind weiterhin die dünnen Linien oberhalb und unterhalb der Augen sowie die kleinen Fältchen zu den Schläfen hin, letztere kommen lediglich bei den männlichen Heiligen vor. Bei den Augen verläuft auf dem Oberlid eine einzelne, gekerbte Linie, während auf dem Unterlid zwei parallele Vertiefungen einen kleinen Wulst andeuten. Bei der Betrachtung der Augen fällt weiterhin auf, dass einige der Iriden leicht dunkel gefärbt sind. Ob es sich hierbei um eine ursprüngliche Angabe handelt kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, als zwingender Beweis für 12.9 Abb. 12.9 Hl. Agnes

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