A Masterly Hand / Scientia Artis 9
239 Marc Peez 12 238 Doch betrachten wir nun die weitere schnitzerische Ausarbeitung der Siersdorfer Figuren etwas genauer. Wie bereits erwähnt, ist von den voll plastisch gearbeiteten Stücken erstaunlicherweise lediglich die Figur der Hl. Lucia (möglicherweise auch die Maria mit Kind) gehöhlt und rückseitig mit einem Verschlussbrett versehen (Abb. 12.1g-h). Erwähnenswert, weil recht ungewöhnlich, ist die Fixierung des Verschlussbrettes an der Unterseite der Figur der Hl. Lucia, hier sind drei mächtige Holznägel tief in zuvor angelegte Bohrungen eingetrieben. Deutlich sieht man die drei Löcher in einigem Abstand zur Rückseite (Abb. 12.2g). Aushöhlungen beugen zwar dem Reißen des Holzes während der Trocknung vor, sind jedoch auch mit deutlich höherem Aufwand verbunden. Im Falle der Siersdorfer Figuren können wir folglich annehmen, dass dem zeitlichen Aspekt, aus welchen Gründen auch immer, Vorrang vor der Vermeidung von Holzrissen eingeräumt wurde. Dass diese sehr zahlreich auftraten, belegen noch erhaltene, entstehungszeitliche Ausspanungen mit Eichenholz (Abb. 12.8). Die heute deutlich sichtbaren Risse werden, soweit nicht später entstanden, ursprünglich sicher auch entsprechend geschlossen gewesen sein. Bei der Figur der Hl. Elisabeth finden wir im unteren, rückseitigen Bereich der Plinthe zwei mächtige Eisennägel, die als Klammerung ein weiteres Reißen des Holzes verhindern sollten. Hier könnte es sich durchaus schon um eine ursprüngliche Reparatur handeln. Grundsätzlich wurde versucht, die Werkblöcke maximal auszunutzen und mit möglichst wenigen Anstückungen zu arbeiten. Der Verlauf der Kerne der Werkblöcke ist geschickt eingerechnet, sodass diese zumeist vor den Gesichtern der Figuren verliefen und im Schnitzprozess hier abgearbeitet wurden. Dies scheint Einfluss auf die gesamte Komposition der Figuren gehabt zu haben, deren Oberkörper teils extrem nach hinten geneigt sind. Nur so konnte die Abschnitzung der gesamten Kernbereiche vor den Gesichtern gewährleistet werden. Am deutlichsten wird dies in der Seitenansicht der Hl. Agnes ( Abb. 12.9), eine Ausnahme bildet die Figur des Hl. Georg (Abb. 12.1c). Die möglichst maximale Ausnutzung der Werkblöcke wird durch einige verbliebene Splintholzbereiche belegt, die durch eine hellere Färbung und vor allem Spuren von Schädlingsbefall heute deutlich auszumachen sind. Neben den wenigen Anstückungen exponierter Bereiche wie Hände – so beispiels- weise die heute fehlende linke Hand der Maria – finden wir größere Einset- zungen von Eichenholz in solchen Partien, die wohl entweder aufgrund störender Äste oder Holzfehler einer Korrektur bedurften. Grundsätzlich ist es schwierig die zeitliche Entstehung entsprechender Einsetzungen definitiv zu belegen, Art und Weise sprechen jedoch für eine schon entstehungszeitliche Maßnahme. Abgebrochene oder fehlende Dübel in den Bruchstellen heute fehlender Elemente, so bei der Hand der Maria und dem Arm des Kaisers Maxentius, belegen die Verwendung von Dübeln zur Befestigung der ursprünglichen Anfügungen. Zu den Anstückungen bleibt zu ergänzen, dass die Figur des Hl. Georg, die schon aufgrund ihrer darstellungsbedingten Komposition aus der Reihe fällt, zahlreiche jüngere Holzergänzungen auf- weist. So sind beispielsweise der rechte Arm, der auch schon ursprünglich angesetzt gewesen sein dürfte, sowie das Schild neueren Datu ms. 11 12.8 Abb. 12.8 Maria mit Kind, detail
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