A Masterly Hand / Scientia Artis 9
237 Marc Peez 12 236 Eine dritte Einspannkonstruktion lässt sich an den beiden Figuren der Hl. Lucia und der Maria mit Kind nachweisen (Abb. 12.2g-h). Hier finden sich sehr charakteristische Eindrücke einer ungewöhnlich aufwendigen „Gabel“, die in dieser Art bislang im Rheinland noch nicht beobachtetet wurden ( Abb. 12.6). Bei beiden Figuren wurde eindeutig ein und dieselbe Konstruk- tion benutzt, kleinere Abweichungen in den Abmessungen sind auf den Holzschwund der Werkblöcke während des Trocknungsprozesses zurück zuführen. Diese Art der Einspannung lässt wieder den Rückschluss auf eine hängende Position in einer Werkbank ziehen, welche ein Drehen während der Bearbeitung um die Mittelachse erlaubte. Neben diesen annähernd mittig vorzufindenden Eindrücken, die sicher von einem Metallgegenstand stam- men, finden wir zusätzlich die schon beschriebenen, paarweise auftretenden Spuren der Bankhaken. Folglich wurde bei der Fertigung dieser beiden Skulpturen die Werkbank mindestens einmal gewechselt. Es darf voraus gesetzt werden, dass Figuren im Schnitzprozess mehrfach aus der Bank genom- men wurden, um sie im stehenden Zustand begutachten zu können. Auch der Wechsel zu einer anderen Werkbank ist, sofern mehrere Bänke in einer Werk- statt existierten, somit sicher nicht ungewöhnlich gewesen. Bei der Marien figur und der Hl. Lucia ist ein solcher Werkbankwechsel eindeutig zu belegen, bei der Figur des Hl. Georg lassen einige Spuren einen solchen vermuten. Die Oberseiten beider Figuren zeigen je ein Bohrloch, Form und Größe sprechen für die Aufnahme eines Metalldornes (Abb. 12.4g-h). Die zuvor beschriebenen Konterlöcher, wie wir sie bei den eingangs beschriebenen Figu- ren mit der mittigen, runden Bohrung an den Unterseiten finden, fehlen hier. Dies erstaunt nicht, da die breite Metallgabel an sich schon ein Verdrehen des Werkblocks verhinderte und eine Konterung gar nicht nötig gewesen sein wird. Bei der Madonna zeigt sich hinter dem Scheitel, vergleichbar dem Befund an der Hl. Agnes, ein kleiner, nicht abgeschnitzter Holzbereich. Die Interpretation der Einspannspuren an den Figuren des Lettnerbogens ( Abb. 12.7) wird im Fall der Madonna durch die plastische Ausformung der Standfläche verhindert. Bei der Sibylle von Tibur sowie beim Kaiser Augustus finden wir zwar Standflächen, hier wird die Auswertung jedoch durch große, mittige Bohrungen und jüngere Löcher von Schrauben erschwert. Ob die mit- tigen Bohrungen, die der Aufstellung auf den Kapitellen der seitlichen Stützen des Bogens dienen, ursprünglich sind, ist nicht zweifelsfrei zu belegen. Trotz dieser Einschränkungen in der Betrachtung lassen sich, allerdings lediglich bei der Figur der Sib ylle, 9 die uns schon bekannten, paarweise auftretenden Löcher der Bankhaken nachweisen. Ähnlich wie bei der Figur der Hl. Agnes liegen diese weitgehend, wenn auch nicht ausnahmslos, parallel zur rückseitigen Kante der heutigen Plinthe. Auf der Kopfoberseite der Maria zeigen sich Reste zweier Bohrungen, die vom Einspannprozess stammen wer den. 10 Auf der Grundlage der sorgfältigen Auswertung der Einspannspuren lässt sich festhalten, dass wir für die Bildhauerwerkstatt, in der die Siersdorfer Skulptu- ren geschaffen wurden, gleich drei unterschiedliche Werkbänke nachweisen können. Hieraus lässt sich ableiten, dass in der Werkstatt sicher auch mehrere 21 mm 38 mm 24 mm 23 mm 22,8 mm 38 mm Abb. 12.6 Eindrücke einer Einspanngabel bei der Hl. Lucia (a) und der Maria (b) 12.6 a 12.6 b
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