A Masterly Hand / Scientia Artis 9

von 1505 kennen (Abb. 12 .5b). 8 A m eindeutigsten sind diese Löcher bei der Figur des Bischofs zu interpretieren (Abb. 12.5a), da sie hier zahlreich vorkom- men und weitgehend parallel zu den Plinthenkanten sowie in annähernd ­ gleichem Abstand zu diesen liegen. Es sind zwei unterschiedliche Bankhaken nachzuweisen. Folglich wurde der Werkblock des Bischofs zum Schnitz­ vorgang auf einer Werkbank mit entsprechenden Metallhaken fixiert und je nach gewünschter Ausrichtung zum Schnitzvorgang gedreht, die Haken hier- bei mindestens einmal gewechselt. Bei der Figur der Hl. Katharina (Abb. 12.2d) findet sich nur ein solches Lochpaar, allerdings verdecken eine Aufdoppelung mit Holz sowie Reste von Farbschichten größere Bereiche der Unterseite. Weitere, heute nicht mehr sichtbare Löcher sind somit nicht auszuschließen. Da zudem sämtliche ­ Hinweise auf eine andere Art der Fixierung in der Bildhauerwerkbank fehlen, dürfen wir auch bei dieser Skulptur die zuvor beschriebene Fixierungsweise annehmen. Die Figur der Hl. Agnes (Abb. 12.2e) zeigt vier Lochpaare, erstaunlicher- weise liegen diese – leicht versetzt – ausnahmslos parallel zur rückseitigen Plinthenkante. Zu belegen ist somit lediglich die Fixierung der Figur liegend mit dem Rücken auf der Werkbank. Auch wenn die variierenden Abstände der paarweise zugehörigen Löcher den Austausch der verwendeten Bankhaken vermuten lassen, so fehlen doch sämtliche Hinweise auf ein Drehen der Figur. Dies muss überraschen, da ja auch die seitlichen Bereiche und die Rückseite vollplastisch ausgearbeitet sind und entsprechend bearbeitet wurden. Wie eine Fixierung der Figur zur Ausarbeitung dieser Flächen geschah, ist somit völlig unklar. Die Betrachtung der Oberseiten der drei Stücke bringt keine wesentlichen neuen Erkenntnisse zum Werkprozess der Siersdorfer Figuren. Bei der Mitra des Bischofs (Abb. 12.4f ) und im Bereich der Krone der Hl. Katharina ( Abb. 12.4d) sind Fixierungsspuren durch den Schnitzvorgang verloren ­ gegangen (beim Bischof findet sich lediglich eine Vertiefung, die als Rest einer Bohrung interpretiert werden kann). Die Kopfoberseite der Hl. Agnes ( Abb. 12.4e) zeigt zwei Löcher unterschiedlicher Größe sowie den wenig tiefen Eindruck eines weiteren Metall(?)-Gegenstandes. Die Löcher scheinen nicht gebohrt zu sein, sondern von eingeschlagenen, spitzen Gegenständen zu stammen. Für diese drei Figuren ist zusammenfassend festzuhalten, dass sie sicher liegend auf einer tischähnlichen Werkbank gefertigt wurden, die über einen Einspannmechanismus mit Metallbankhaken verfügte. Die charakteristischen Spuren dieser in zwei Spitzen auslaufenden Haken unterschiedlicher Größe lassen sich an den Unterseiten der Figuren eindeutig nachweisen. Die Bank­ haken wurden vermutlich, wie in der Zeichnung von Löffelholz ersichtlich, in entsprechende Löcher des Werkbanktisches gesteckt, das Werkstück anschließend durch Drehen einer Spindel eingespannt. Anders als auf der Zeichnung von Löffelholz scheint die hier verwendete Werkbank jedoch kopfseitig nicht ein Gegenstück mit zwei, sondern lediglich mit einem Zinken besessen zu haben. Abb. 12.5 Einspannmechanismus mit Metallbankhaken a Rekonstruktion der Einspannung des Bischofs b Zeichnung von Martin Löffelholz, Bilderhandschrift, 1505, Ms. Germ. qu. 132, Berlin, Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz 12.5 a 12.5 b

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