A Masterly Hand / Scientia Artis 9

233 Marc Peez 12 232 In Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen des KIK-IRPA ( Brüssel), des Stichting Restauratie Atelier Limburg und des Bonnefanten­ museums (Maastricht) wurden die Figuren 2010 vor Ort intensiv unter- sucht, fotografisch dokumentiert und unter dendrochronologischen Gesichtspunkten vermes sen. 5 D ie wesentlichen Erkenntnisse dieser Unter- suchungen des Lettnerbogens und der Skulpturen werden in der Folge hier kurz vorgestellt. Alle Bildwerke, die Skulpturen wie der Lettnerbogen, sind aus regionaler Eiche hergestellt. Die Holzauswahl ist vor allem bei den Einzelfiguren von eher geringer Qualität, was sich in zahlreichen Ästen und stark ausgeprägtem ­ Drehwuchs widerspiegelt. Zur Verfügbarkeit und Beschaffenheit von Eichen- holz im betreffenden Gebiet sei an dieser Stelle auf die Ausführungen von Hans Beeckman verwie sen. 6 Ein Blick auf die Unterseiten der Figuren verdeutlicht, dass für die Werk- blöcke im Wesentlichen ganze und nicht etwa halbierte Stammabschnitte genutzt wurden, deutlich zeigen sich die Kerne der jeweiligen Abschnitte ( Abb. 12.2). Sägespuren an einigen der Unterseiten belegen, dass die Hölzer zunächst abgelängt wurden, bevor eine Nachbearbeitung der späteren Stand- flächen mit dem Balleisen geschah. Wie eine dünne Vorritzung zur Angabe einer mittigen Einspannbohrung in der Unterseite des Hl. Georg belegt, geschah dies eindeutig schon vor dem Einspannen in die Bildhauerwerkbank und nicht etwa zur Korrektur erst gegen Ende des Bildhauerprozesses: Diese Ritzung wurde in die schon mit dem Balleisen nachbearbeitete Fläche einge- bracht. Auch Form und Tiefe der Einstichspuren der Bankhaken aus Metall, auf die noch einzugehen sein wird, belegen diese Ebnung der Fläche schon vor dem Einspannen in die Werkbank. Als nächster Arbeitsschritt im Herstellungsprozess folgte die Einspannung der Werkblöcke in die Bildhauerwerkbank, was im Falle der Siersdorfer Figu- ren interessante und zum Teil erstaunliche Rückschlüsse auf die Praktiken der betreffenden Bildhauerwerkstatt erlaubt. Zunächst überrascht, dass neben der zentralen Figur der Madonna des Lettnerbogens lediglich die Figur der Hl. Lucia rückseitig eindeutig ausge- höhlt ist (Abb. 12.1g). Im Falle der Maria mit Kind (Abb. 12.1h) konnte nicht eindeutig geklärt werden, ob auch hier eine Aushöhlung vorgenommen wurde, hier würden Röntgenaufnahmen letztendliche Klärung bringen. Grund für die Höhlung wird bei der Lettnerbogen-Madonna die Gewichts­reduzierung gewesen sein, bei der Hl. Lucia und ggf. der Maria mit Kind könnte neben demWuchs und der Qualität des Holzes auch der ursprüngliche Aufstellungs- ort ausschlaggebend gewesen sein. Doch betrachten wir nun die Einspannspuren der hier vorgestellten Skulptu- ren etwas genauer. Auf den ersten Blick fallen an drei der Figuren unterseitig große Löcher von annähernd drei Zentimeter Durchmesser auf, die sicher für die Aufnahme eines Holzdübels oder Metalldornes zur Befestigung in einer Bildhauerwerkbank dienten. Bei der Figur des Johannes des Täufers ( Abb. 12.2a) findet sich neben der Bohrung ein deutlicher, rechteckiger ­Einstich

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